Patronatsfest der Pfarrei "St. Sebastian" 2026, 20.Januar

In diesem Jahr fiel der Gedenktag des Hl. Sebastian auf einen Dienstag.
Pastor Martin Brzenska und Pfarrer Matthias Kaminski zelebrierten die hl. Messe, die um 18:30 Uhr begann.

Zur Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde sang auch unser Kirchenchor, obwohl seit einiger Zeit feststand, dass etliche Sängerinnen und Sänger wegen einer Indienreise nicht anwesend sein werden.

Auch die Tradition, für die Predigt an diesem Tag einen auswärtigen Seelsorger bzw. eine Seelsorgerin zu gewinnen, konnte mit Schwester Dorothea Rumpf von der Vinzenz von Paul Schule aus Duderstadt fortgesetzt werden. Sie ist ja keine Unbekannte in Rhumspringe, hat sie doch vor Jahren schon in der Fastenzeit bei uns gepredigt und auch beim Frauenbund referiert.

Sie begann ihre Predigt mit den Worten: Liebe Schwestern und Brüder…….
Als ihre Predigt geendet hatte, spendete die Gemeinde spontan Beifall
(der gesamte Predigttext am Ende dieses Berichtes).

Wie immer beim Patronatsfest erfolgte auch heute am Ende der hl. Messe die Aussetzung des Allerheiligsten mit Tantum ergo und dem Te Deum. Zuvor hatte der Pastor noch ein Sebastiansgebet gesprochen und in einigen Minuten der Stille konnte jeder seine eigenen Anliegen, Dank und Bitte vor Gott tragen.

Dankesworte richtete Pastor Brzenska dann an alle, die bei diesem Gottesdienst mitgewirkt haben und die Gemeinde applaudierte besonders bei der Erwähnung von Schwester Dorohea und dem Kirchenchor.

Auch Hermann Hose vom TEAM GEMEINSAMER VERANTWORTUNG (TGV) bedankte sich bei der Schwester, um deren Mitwirkung er sich bemüht hatte und lobte den wunderbaren Gesang des Chores trotz der fehlenden Stimmen. Gleichzeitig lud er alle Anwesenden zur Begegnung ins Pfarrheim ein.

Als man das betrat, strömte einem schon ein leckerer Grillgeruch entgegen. Mitglieder des Männervereins waren dabei, Würstchen zu braten und verteilten diese sogleich und im Verlauf des weiteren Abends an die Gäste. Dazu konnte man sich Weißbrot, Senf und Ketchup holen. Auf den Tischen im Pfarrheim standen Gläser, Wasser- und Weinflaschen bereit und andere Getränke bekam man bei den Männern an der Theke.

Ein Unkostenbeitrag musste nicht entrichtet werden weil ein Spendenkorb aufgestellt war. Alles war also gut organisiert und den wenigen Mitgliedern des TGV kann man dafür nur Lob aussprechen.

Besonders erfreulich war an diesem Abend eines Wochentages auch, dass viele Mitchristen aus den anderen Kirchorten unserer Pfarrei St. Sebastian am Gottesdienst und der anschließenden Begegnung teilgenommen hatten.

Rosemarie Jütte

 

 

Predigttext:

Liebe  Schwestern, liebe Brüder, liebe Anwesende,

ich bin hier eigentlich wie ein Fremdling, denn Sie alle haben sicher gute Kenntnisse über den Heiligen des heutigen Tages, sind Sie doch seit Jahren vertraut mit ihm als Ihrem Patron der Kirche und Ihrer Pfarrgemeinde. Viele von Ihnen sind gewiss hier getauft worden, zur Erstkommunion gegangen, haben die Firmung empfangen und vielleicht sogar geheiratet – alles quasi unter den schützenden Augen des Hl. Sebasian. Mir selbst war er bisher eher fremd, gehörte in die Kategorie der Pestheiligen, nicht schön anzuschauen mit diesen Pfeilen als Zeichen der Qual. Er stand, so musss ich gestehen, noch nicht auf der Liste meiner Lieblingsheiligen.

Als ich dann die Anfrage erhielt, heute mit Ihnen das Patronatsfest zu feiern, war dies zugleich eine Einladung, mich genauer mit dem Heiligen Sebastian zu beschäftigen. Und ich entdeckte so viel Neues. Der Hl. Sebastian wird in der ganzen Welt verehrt und viele Kirchen in der gesamten christlichen Welt stehen unter seinem Patronat, denn es gibt seinen Gedenktag auch in der evangelischen Kirche. In der orthodoxen Kirche wird er ebenso verehrt wie in der äthiopisch-orthodoxen.

Allerdings ist von seinem Leben nicht viel bekannt im Sinne von eindeutigen Fakten. Kenntnis von ihm haben wir über die Legende, eine andere Weise, Lebenswahrheiten mitzuteilen. Sein Name bedeutet in der Übersetzung: der Verehrungswürdige. So ist noch nicht einmal sicher, ob Sebastian sein eigener Name gewesen ist oder ein Ehrentitel, der ihm schon damals von seinen Mitmenschen gegeben worden ist. Der Vertrauenswürdige – bis heute. Selbst Rainer Maria Rilke hat ein Gedicht über ihn geschrieben.

In seinem ersten Zugang wird stets auf das Martyrium des Hl. Sebastian unter Kaiser Diokletian etwa um das Jahr 288 in Rom verwiesen. In dieser Zeit war ein solches Martyrium leider keine Seltenheit. Viele frühchristliche Märtyrer und Märtyrerinnen erlitten dieses Blutzeugnis unter Kaiser Diokletian und wurden von ihren Glaubensgeschwistern nicht nur verehrt, sondern als Vorbilder hervorgehoben. Das ist uns vertraut. Und dennoch fand dies in mir für mein heutiges Leben keinen Widerhall. Die Aussicht auf ein Martyrium ist kein lockender Lebensentwurf. Ich bin dankbar, dass wir in einem Land leben, wo ein Martyrium eher unwahrscheinlich ist. In anderen Ländern der Erde ist die Gefahr allerdings auch heute noch Realität.

Erst im zweiten Schritt wird von seinem Leben erzählt. Und da wurde ich dann schon hellhöriger: am kaiserlichen Hof des Diokletian arbeitend, musste er seinen christlichen Glauben verbergen. Es war lebensgefährlich, sich als Christ zu bekennen. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, seinen christlichen Glauben zu leben. Es ist überliefert, dass er seinen christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beistand und ihnen Mut zusprach. Sein Leben war so überzeugend, dass sogar römische Adlige sich bekehrten. Auch vollzog er ein Werk der Barmherzigkeit, in dem er getötete Märtyrer bestattete und ihnen so ihre Würde wieder gab.

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ (1 Petr 315), so haben wir eben in der Lesung aus dem Petrusbrief gehört. Fällt es in unserer Umgebung auf, dass wir Christen Menschen sind, die eine Hoffnung haben? Und zwar eine Hoffnung nicht ausschließlich als Auferstehunsglaube am Ende unseres Lebens, vielmehr eine Hoffnung, die schon hier und jetzt sichtbar, weil erlebbar ist? Im Sinne des Hl. Sebastian müssten wir sogar noch deutlicher formulieren: eine Hoffnung, die überzeugend und anziehend ist, so dass andere daran Anteil haben wollen.

Die Rede Petrus klingt fast wie eine Zumutung für das Jahr 2026, leben wir doch in einer Welt vieler Herausforderungen. Verzagtheit macht sich vielerorts breit. Was kann ich angesichts der vielen Krisen und Bedrohungen schon tun? Außerdem werden wir Christen immer weniger, die Kirchen immer leerer. Sind die christlichen Werte überhaupt noch relevant in unserer Gesellschaft, wo so viele Verbindlichkeiten sich aufzulösen scheinen in einem starken Individualismus, in einem scheinbar alles ist erlaubt? „Da entsteht das Gefühl: Jetzt geht gar nichts mehr weiter. Und dann leidet der kreative Teil in uns, der nach Lösungen sucht und zwischen all den Krisen noch Gemeinschaft sieht.“

Darum will ich hier und heute mit Ihnen diesem Anspruch nicht ausweichen. Lassen Sie uns annehmen, dass der Petrusbrief gerade für uns und heute – wenn auch nicht explizit an uns geschrieben – so doch etwas Wichtiges zu sagen hat.

In den ersten Tagen des Jahres hörte ich im Radio eine Reportage über die Opfer des Anschlags am 07.Okt.2023 in Israel. Dabei wurden auch die Eltern einer jungen Frau interviewt, deren Tochter dabei zu Tode gekommen ist. Sie erzählten, dass sie sich trotz ihrer eigenen Trauer und ihrem Schmerz für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen. Danach gefragt, woher sie die Kraft dafür haben, antwortete die Mutter: „Wir haben keinen Hass. Die Täter dürfen unseren Hass nicht bekommen. Wir würden ihnen damit Recht geben.“ Wech starke Aussage, die nach menschlichem Ermessen nicht zumutbar ist. Mich berührt diese Haltung sehr!

Zwei Tage danach war ich zu einem Essen eingeladen und wurde während der Unterhaltung gefragt, ob ich noch an den Erfolg der Friedensverhandlungen bezüglich der Ukraine glaube. Ich hörte mich antworten: „Mein Verstand neigt dazu, Nein zu sagen. Mein Herz will sich die Hoffnung nicht nehmen lassen.“ Vielleicht kennen Sie das auch, dass Ihne etwas erst bewusst wird, wenn Sie es aussprechen. Es war wie der Widerhall der Haltung dieser israelischen Eltern, die mich herausforderte und sich in mir fortsetzen wollte. Darauf mein Gesprächspartner: „Ja, wir benötigen gerade in der heutigen Zeit Hoffnung, allerdings eine risikobereite Hoffnung.“ Hoffnung ist wohl immer mit Risiko behaftet, weil wir uns auf etwas verlassen, das größer, stärker ist als wir selbst.

Doch was ist Hoffnung? Vaclav Havel, er war tschechischer Dramatiker, Menschenrechtler und Politiker umschreibt sie so: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Als Regimekritiker wurde Vaclav Havel mehrfach interniert. Seine Erfahrungen im Gefängnis und sein Engagement für die Menschenrechte – welch aussagekräftige Parallele zum Hl. Sebastian – prägten seine Philosophie. In einer Welt, die oft von Unsicherheit geprägt ist, kann diese Art von Hoffnung eine Quelle der Stärke und des Antriebs sein.

Vielleicht ist das, was Petrus und Sebastian uns heute sagen wollen, dass es weniger um Rechenschaft geht, die wir ablegen sollen, sondern das wir uns zunächst darauf besinnen, dass wir eine tragfähige Hoffnung haben, die es gilt, immer wieder neu wachzurufen. Wir sind in den Konflikten dieser Welt in unseren Gemeinden oft darauf fokussiert, neue Konzepte zu entwickeln. Die existenzielle Grundlage dafür allerdings muss die Hoffnung sein, die uns bewegt, antreibt, Kraft schenkt, Freude auslöst und Gemeinschaft stiftet. Eine Hoffnung die den Fakten trotzt.

Seien wir stehts bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von uns Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die unserem Handeln Sinn verleiht, die in unseren Entscheidungen Orientierung ist, die den Horizont unseres Lebens ausmacht. Die Menschen sollen spüren, dass wir als Christen eine tragfähige, eine risikobereite Hoffnung haben – so ansteckend wie damals beim Hl. Sebastian, weil Gott uns ins Leben liebt – jeden Tag neu.

Amen.

Schwester Dr. M. Dorothea Rumpf